Gildors Kunstecke

Arbeit des Künstlers Tony Cragg

Wir stellen den Künstler des Monats vor

Tony Cragg: PLEASE TOUCH!

22.02. – 26.05.2024 - Kunstpalast Düsseldorf

Spätestens seit ich 1988 den Film CAMILLE CLAUDEL gesehen habe, habe ich in Museen immer den Wunsch, die Skulpturen anzufassen, zu streicheln, zu erfühlen. Was bekanntlich aus guten Gründen verboten ist. Aber nicht im Kunstpalast Düsseldorf. TONY CRAGGs Ausstellung PLEASE TOUCH fordert die Besucher explizit aus, seine Skulpturen zu berühren. Ein wirklich tolles Erlebnis! Allein schon das taktile Erlebnis der unterschiedlichen Materialien, Stahl, Bronze, Gußeisen, Fiberglas, Holz, Kunststoff oder Ton ist den Besuch wert. Viele Skulpturen lassen sich auch zum Klingen bringen – zum taktilen und visuellen Erlebnis kommt ein musikalisches hinzu. Ja, und CRAGGs variantenreiche, organische Formen ...

Wenn deine Haut auf glänzendem Edelstahl liegt, die feuchte Handinnenseite „Justine“ berührt, ihre Oberfläche unter der Hand warm und geschmeidig wird, dann meint man, sie als Ganzes zu spüren, nicht nur ihre Rundungen, ihre äußere, perfekt geformte Hülle, sondern auch ihr Volumen, ihre innere Kraft.

„Stone Head“ (2019) ist aus Stein. Stein ist kalt und wird bei längerer Berührung warm. Im Gegensatz zu Bronze. Die bleibt kalt und hat bei Cragg eine fein gearbeitete, fast seidige Oberfläche -wie etwa bei „Migrant“ von 2015 -, oder er pikst: wie die hervorstehenden, filigranen Arme und Beine der Plastik „Wave“ von 2022 – ein beeindruckendes Werk, das an menschengemachte Naturkatastrophen denken lässt. Stahl hat oft eine raue Oberfläche – „Thicket“ von 2016 beispielsweise. Fiberglas ist leicht und irgendwie – tot. Holz ist lebhafter, gefälliger, handschmeichelnd, die wuchtige Skulptur „Group“, 2012, würde man am liebsten umarmen. „Toll!“, „Ah!“, „Verrückt!“, hört man die Menschen in den Museumssälen staunen.

Ganz besonders reizvoll auch die Skulpturen, die an die russischen Matroschka-Puppen erinnern: ein Baum, dessen Äste Hände sind, von denen kleiner Hand-Äste abzweigen, um in Hand-Blättern zu enden oder sein Werk „Welle“, das aus lauter kleinen Menschleibern besteht. Und höchst originell jene Skulptur aus Tausenden von Gesellschaftsspiel-Würfeln geformt.

Ganz spannend auch der letzte Ausstellungsraum: Hier findet der Besucher das nachgebaute Atelier Tony Craggs – der Ort, an dem sein künstlerischer Prozess und seine Arbeitsweise nachvollziehbar wird.

„Ich kann mich nicht daran erinnern, in einer Ausstellung schon mal so viele glückliche Menschen gesehen zu haben“, sagt Felix Krämer, der gemeinsam mit dem in Wuppertal lebenden Künstler die Ausstellung kuratiert hat.

In Wuppertal gibt es übrigens einen ganzen Skulpturenpark mit Werken von TONY CRAGG – mit Sicherheit eine Reise wert und auch in der Düsseldorfer Stadtlandschaft finden sich eine ganze Reihe von CRAGGs teils riesigen Skulpturen.

Mit der Stadt Düsseldorf ist TONY CRAGGs Wirken eng verbunden: Ab 1979 lehrte er an der Kunstakademie Düsseldorf, seit 1988 als Professor. Er war Prorektor und seit von 2009 bis 2013 Rektor der Kunstakademie. Anfang Februar 2015 wurde der 1949 geborene Künstler zum Ehrenmitglied der Kunstakademie ernannt.

Fotos und Text: Peter Winz